Queeres Zentrum

Eines unserer Haupt-Anliegen ist es ein Queeres Zentrum in Gifhorn zu etablieren.

 

Ein queeres Zentrum ist ein sozialer Ort, ein sicherer Raum für Menschen mit einer anderen sexuellen oder geschlechtlichen Orientierung/Identität, abweichend von der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft.

An einem solchen Ort sollen vielfältige Angebote ermöglicht werden: Es sollen Veranstaltungen (Kultur/Bildung) durchgeführt, Beratungsangebote etabliert, Gruppenangebote ermöglicht und Menschen miteinander vernetzt werden.

 

Notwendigkeit?

Selbstverständlich muss auch bei diesem Unterfangen nach der Notwendigkeit gefragt werden können. Zahlreiche Studien verdeutlichen allerdings, dass eine Notwendigkeit von queeren Angeboten nicht nur ein Gefühl darstellt, sondern eine empirische Grundlage aufweist.

 

Die Jugendstudie „Coming-out… und dann?!“ des Deutschen Jugendinstituts zeigt bspw. klar auf, dass ein Coming-out queere Jugendliche heute nach wie vor enorm belastet und ein Alleinlassen psychische und körperliche Beschwerden nach sich zieht. Es wird deutlich, dass diese Zielgruppe verstärkt Belastungen im Alltag aus-gesetzt ist, sie überproportional viele Diskriminierungserfahrungen machen müssen und entsprechende Beratungs-, Unterstützungs- und Freizeitangebote gebraucht werden.1 Auch das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat die Situation queerer Menschen in der Arbeitswelt untersucht und kommt zum Ergebnis, dass Einsamkeit unter queeren Menschen doppelt so stark verbreitet ist, zweieinhalb mal so viele bereits depressive Erkrankungen durchmachen mussten und sie auch von weiteren psychischen und körperlichen Problemen stärker betroffen sind als die Restbevölkerung. Die Forderung nach entsprechenden „sicheren Orten“ und sozialen Angebote wird hier aus gesundheitlicher Sicht weiter bestärkt.2 Doch nicht nur diese größeren Organisationen bescheinigen Angeboten, wie einem queeren Zent-rum und seiner Arbeit, eine hohe Notwendigkeit. Auch der Landesjugendring Niedersachsen führte 2018 eine Studie fürs Bundesland durch und kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass entsprechende queere Angebote besonders für Jugendliche weiter gefördert und ausgebaut werden müssen, dass pädagogisches Fachpersonal aus allen Bereichen entsprechend geschult werden muss und dass besonders der ländliche Raum einen großen Nachholbedarf aufweist. Jugendliche werden oft al-leingelassen und erleiden dann entsprechende psychische und körperliche Beeinträchtigungen. Hier gilt es präventiv gegenzusteuern, sie aufzufangen, sie zu beraten, zu unterstützen und sie mit anderen zu vernetzen.3

Dies sind nur drei Studien, die die Notwendigkeit queerer Angebote unterstreichen. Gerade in den letzten Jahren wurde die Forschungslage immer eindeutiger: Bei Angeboten für Menschen in Sachen sexueller und geschlechtlicher Vielfalt gibt es nur Gewinner auf allen Ebenen und keine Verlierer.

 

________________

1 Deutsches Jugendinstitut (2013): Coming-out… und dann?!. Jugendstudie. URL: https://www.dji.de/ueber-uns/projekte/projekte/lebenssituationen-und-diskriminierungserfahrungen-von-lesbischen-und-schwulen-jugendlichen-in-deutschland/projekt-publikationen.html

2 Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (2021): Lesbische, schwule, bisexuelle, Trans*-, queer und Inter*-Menschen dreimal häufiger von Burnout und Depressionen betroffen. URL: https://www.diw.de/de/diw_01.c.810374.de/lesbische__schwule__bisexuelle__trans_-__queer_und_inter_-me___hen_dreimal_haeufiger_von_burnout_und_depressionen_betroffen.html

3 Landesjugendring Niedersachsen e.V. (2018): Jugendarbeit im Que(e)rschnitt. URL: https://www.ljr.de/shop/produkt/produkt/materialienhefte-fuer-jugendarbeit/jugendarbeit-im-queerschnitt.html

 

 

Ziele des Projekts

Ein queeres Zentrum in Gifhorn soll…

 

  • … Jugendlichen Raum geben. Laut der Studie „Coming-out… und dann?!“ fehlt es besonders auf kommunaler Ebene an Vernetzungs- und Partizipations- sowie Beratungsmöglichkeiten für queere Jugendlichen. Diese Zielgruppe wird in den regelhaften Angeboten nicht berücksichtigt. Das wollen wir ändern und eben dafür queere Jugendgruppen, wie die Queeren Wespen, weiter fördern und im Zentrum verwurzeln.
  • … queeres Ehrenamt fördern. Jeder Mensch, der ein eigenes Angebot für queere Menschen ins Leben rufen und betreiben möchte, soll über das Zentrum die Möglichkeit dazu erhalten und professionelle Unterstützung erhalten. Es sollen stetige Partizipationsmöglichkeiten aufgezeigt werden, sodass das queere Ehrenamt auf Dauer gefördert und erhalten bleibt.
  • …einen sicheren Raum für Menschen mit einer anderen sexuellen oder geschlechtlichen Identität schaffen. Noch heute werden Menschen aufgrund dessen diskriminiert, misshandelt oder gar in den Suizid getrieben. Ein queeres Zentrum soll ein Ort ein, an dem sich diese Menschen frei von Diskriminierung in einem sozialen Netz von Gleichgesinnten wiederfinden können.
  • … Gruppenangebote schaffen und weiterentwickeln. Menschen mit derselben sexuellen Orientierung, derselben geschlechtlichen Identität oder denselben Erfahrungen sollen einen Raum zum Vernetzen, zum Austausch, aber auch zur gemeinsamen Freizeitgestaltung bekommen.
  • … kulturelle und Bildungsveranstaltungen ermöglichen. Es könnten Vorträge, Lesungen, aber auch Seminare und Fortbildungen abgehalten werden, die sich speziell auf das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in allen Facetten fokussieren. Damit wird ein wichtiger Beitrag der Professionalisierung in diesem Bereich, z.B. in Schulen oder Behörden, ermöglicht und weiter gefördert.
  • … auf breiter Ebene vernetzen. Nicht nur die Menschen selbst, auch Professionelle sollten die Möglichkeit erhalten sich im Bereich der Vielfalt vernetzen zu können. Schulen in Gifhorn erhalten so die Möglichkeit enger mit anderen Experten, z.B. Erziehungsberatungsstellen, zusammenzuarbeiten und sich gemeinsam dem Thema Vielfalt zu nähern.
  • … seinen Teil zur Bekämpfung von Diskriminierungen & Stereotypen in Gifhorn beitragen. Auch im Landkreis und er Stadt Gifhorn gibt es Diskriminierungen/Vorfälle gegen Menschen mit einer anderen sexuellen und geschlechtlichen Identität. Durch starke Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärungsprojekte in Schulen, entsprechende Veranstaltungen & Aktionen soll das Zentrum seinen Teil dazu beitragen einen Dialog mit der Gesellschaft zu ermöglichen, zu fördern und damit eine breite Akzeptanz und Toleranz gegenüber Vielfalt schaffen.

 

 

Kontakt

Queeres Netzwerk Gifhorn

Winkeler Str. 2b

38518 Gifhorn

 

Tel.: 0176 435 688 50

info@queeres-netzwerk-gf.de