Gendern, also die sprachliche Nennung aller Geschlechter (also nicht „Bauarbeiter“, sondern zb. „Bauarbeiter*in“) ist ein Schritt zur Sichtbarkeit von Frauen und Menschen außerhalb von "männlich" und "weiblich", beispielsweise in von Männern dominierten Arbeitsfeldern. Wir wollten herausfinden ob und wie die Ämter und Verwaltungen im Landkreis Gifhorn gendern. Dazu haben wir ihnen Fragen gestellt und ihre Antworten hier ausgewertet.
Sprache prägt unser Denken – wer ständig nur vom „Bürgermeister“ oder „Amtsleiter“ spricht, ruft automatisch das Bild eines Mannes hervor. Dadurch bleiben Frauen und nicht-binäre Personen in solchen Positionen oft unsichtbar, obwohl sie selbstverständlich genauso befähigt für diese sind.
Wenn man hingegen geschlechtergerechte Formen wie „Bürgermeister*in“ verwendet, wird deutlich, dass dieses Amt allen offensteht.
Außerdem signalisiert gendergerechte Sprache Wertschätzung und Respekt gegenüber allen Menschen. In öffentlichen Ämtern, die für die gesamte Bevölkerung sprechen und Entscheidungen treffen, ist es besonders wichtig, inklusiv zu kommunizieren. Wer hier auf Vielfalt achtet, setzt ein Zeichen für Offenheit und Gleichbehandlung. Studien zeigen zudem, dass junge Menschen sich eher in einem Beruf wiederfinden, wenn sie sprachlich mitgesprochen werden – das Gendern kann also auch dazu beitragen, mehr Vielfalt in Führungspositionen zu fördern.
Um herauszufinden, wie die Verwaltungen im Landkreis Gifhorn mit geschlechtersensibler Sprache umgehen, haben wir alle Kommunen angeschrieben und nach ihren aktuellen Formulierungspraktiken gefragt. Die Antworten zeigen ein sehr heterogenes Bild: Einige Verwaltungen gendern aktiv, andere nutzen neutrale Formen – und wieder andere gendern (noch) gar nicht.
Stand: 17.05.2026
| Verwaltung | Antwort zu unseren Fragen |
| Landkreis Gifhorn |
Der LK Gifhorn hat derzeit noch keine einheitliche Richtlinie in der Verwaltung zur gegenderten Sprache, ist sich allerdings der Notwendigkeit bewusst, alle Geschlechteridentitäten respektvoll und korrekt anzusprechen. Es wird darauf geachtet Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten zu respektieren, indem auf individuelle Wünsche und Präferenzen geachtet wird. Einige Mitarbeiter*innen gendern mit * (z.B. Bürger*innen), andere mit Doppelnennung (z.B. Bürgerinnen und Bürger), andere mit neutralen Formulierungen (z.B. Mitglied des Landkreises etc.), wieder andere gendern mutmaßlich überhaupt nicht. Momentan sucht die Kreisverwaltung nach einer einheitlichen Lösung für eine geschlechtergerechte Sprache. |
| Samtgemeinde Wesendorf |
Die SG Wesendorf benutzt geschlechtssensible Sprache von Person zu Person. Da es eine überschaubare Gemeinde ist, wissen die Menschen untereinander meist, wer wie angesprochen werden möchte. Wenn die persönliche Ansprache allerdings nicht möglich ist, schreibt die Gemeinde ihren Mitarbeiter*innen nicht vor, wie diese gendern. Jede*r Mitarbeitende entscheidet selbst über die Formulierung. Zukunftsorientiert zeigt sich die Verwaltung insofern, dass die Verwaltungsleitung die geschlechtersensible Sprache unterstützt. |
| Samtgemeinde Isenbüttel |
Isenbüttel hat nicht auf jede Frage einzeln geantwortet, aber mitgeteilt, dass geschlechtersensible Sprache grundsätzlich Anwendung findet. Die Verwaltung achtet besonders auf neutrale Begriffe wie „Beschäftigte“ oder „Einwohnende“. Die Gleichstellungsbeauftragte wird außerdem in diesen Prozess einbezogen. Sie achten grundsätzlich darauf, sprachlich niemanden auszugrenzen, indem sie beispielsweise bei offiziellen Anschreiben oder Veranstaltungen die weibliche sowie männliche Ansprache verwenden (z.B. „Bürgerinnen und Bürger“, „Einwohnerinnen und Einwohner“). |
| Samtgemeinde Papenteich |
Die SG Papenteich orientiert sich hinsichtlich einer gendergerechten Sprache in der Außenkommunikation an den Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung. Der Rat hat in seiner Sitzung am 14.07.2023 die Aufnahme des „Gender-Stern“, Unterstrich, Doppelpunkt oder anderen Sonderzeichen im Wortinneren, nicht empfohlen. In Stellenausschreibungen nutzt die Gemeinde zwar das generische Maskulin, fügt allerdings, um alle anzusprechen, dahinter „m/w/d“ ein.
|
| Samtgemeinde Boldecker Land |
Die Pressestelle der Samtgemeinde Boldecker Land gendert schon seit einiger Zeit. Auch andere Texte, die alle Bürger*innen erreichen sollen, werden so geschrieben. Die Gemeinde gibt zwar zu, dass es noch einige Relikte mit feststehenden Begriffen gibt, wie z.B. „Seniorenkoordination“, allerdings wird laut eigener Aussage zu 90% auf gendergerechte Sprache geachtet. Statt „Herr“ oder „Frau“ findet man auf Anschreiben inzwischen neutrale Formulierungen. Meist nutzt die Gemeinde die Doppelnennung (Bürgerinnen und Bürger), oder Sterne (Bürger*innen). Allerdings hält sich die Gemeinde in bestimmten Aspekten auch zurück, um die Leser*innen nicht zu überfordern und unnötige Diskussionen zu vermeiden. |
| Stadt Gifhorn |
Die Stadt Gifhorn nutzt überwiegend neutrale Begriffe (z.B. Mitarbeitende). Sie gendern also nicht mit Sternchen, Doppelpunkten o. ä., sondern versuchen über geschlechtsneutrale Sprache alle anzusprechen. Dies entspricht einer Form von gendergerechter Sprache, auch wenn sie auf spezielle Sonderzeichen verzichtet. Ist dies nicht möglich, nutzen sie allerdings immer noch die generische (also maskuline) Formulierung. Das nutzen von geschlechtssensibler Sprache in allgemeinen Dienst- und Geschäftsanweisungen sei festgeschrieben. |
| Gemeinde Sassenburg |
Die Sassenburg nutzt in ihrer Verwaltungskommunikation in der Regel die maskuline Form, stellenweise allerdings auch Doppelnennungen (z.B. Bürgerinnen und Bürger). Ihnen ist wichtig, dass sich alle gleichermaßen willkommen und angesprochen fühlen. Sie sind der Meinung, dass diese Formulierung verbindend-inkludierende Wirkung aller Personen unserer Gesellschaft hat. |
* von der Samtgemeinde Brome, der Samtgemeinde Hankensbüttel, der Stadt Wittingen und der Samtgemeinde Meinersen haben wir, trotz mehrfacher Nachfragen, leider keine Antwort erhalten.
